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Stadtgeschichte in Versen

Der Karikaturist Lutz Backes hat Beelitzer Köpfe und Tröpfe aufs Korn genommen

Wie der Spargel nach Beelitz kam?
Lutz Backes hat dazu eine ganz eigene Theorie - und die setzt bereits bei den alten Römern an: "Von den Cheruskern arg verdroschen | war ihr Kampfgeist bald erloschen. | Und so kam's zum Sinneswandel: | Einst Feinde, trieben sie jetzt Handel." Neben Trauben, Gewürzen, Kohlrabi und Gurken wird doch wohl der ein oder andere Legionär noch eine Asparagus-Pflanze im Sturmgepäck gehabt haben?! "Zu ernten zeigten sie den feschen | Germaninnen den Spargel stechen. | Lugten aus des Bodens Sande | weiße Köpfe in die Lande, | zogen sie an ihrer Spitze | machten tief am Schaft 'ne Ritze."

Die Geschichte der Stadt Beelitz ist von dem renommierten Karikaturisten, Bildhauer und Buchautor Backes neu geschrieben worden - in augenzwinkernden Versen, illustriert mit humorigen Zeichnungen. Da steht die vollbusige Germanin aufreizend in der Spargelreihe, da dreht der Mönch und berüchtigte Ablass-Händler Johann Tetzel eifrig an der Registrier-Kasse, und da serviert "Mutti Merkel" persönlich den Beelitzer Spargel beim Arbeitsgespräch mit Francois Hollande. "Beelitzer Köpfe . und Tröpfe" heißt das 200 Seiten starke Buch, das am 28. Mai, kurz vor dem Spargelfest, offiziell vom Autor vorgestellt wird.

Lutz Backes, 1938 in Mannheim geboren, hat unter anderem für die New York Times und das Handelsblatt Karikaturen berühmter Zeitgenossen gezeichnet, unter dem Pseudonym "Bubec" erlangte er internationale Bekanntheit. Das Logo der Sportmarke Puma entstammt ebenfalls seiner Feder. Auch seine
Skulpturen haben Kultstatus: Franz-Josef Strauß als Bronze-Klotz oder Hans-Jochen Vogel, wie er aus einem Nistkasten ragt, ringen jedem Betrachter mindestens ein Schmunzeln ab. Darüber hinaus hat Backes viele Glossen, Bühnenstücke und Bücher verfasst. Das Multitalent lebt mit seiner Frau in Nürnberg, ist seit gut drei Jahren aber regelmäßig in der Spargelstadt anzutreffen. "Ich bin selbst in einer Spargelregion aufgewachsen, daher liegt der Bezug zu Beelitz nahe", erklärt er.

Die Idee zu einer humorigen Stadtgeschichte hatte Backes bereits vor 15 Jahren die Stadt Ladenburg in Nordbaden umgesetzt. Das Buch fiel dem Beelitzer Bürgermeister Bernhard Knuth in die Hände, der daraufhin auch in der Beelitzer Vergangenheit zahlreiche Köpfe ausmachte, die es sich zu karikieren lohnt: Persönlichkeiten wie der falsche Waldemar, die Hohenzollern, Goethe und Schiller als Gäste der Stadt bis hin zu Zeitgenossen wie Spargelvereinschef Manfred Schmidt haben nun ein kleines Denkmal gesetzt bekommen. Sogar an die erste Scharfrichterin in der Stadt erinnert das Buch: Frau Lühnsdorf kam 1773, "weil ihr Gatte | des Morgens tot lag auf der Matte, | nicht nur Haus und Hof zum Erben, | sondern auch der Gauner Sterben." Mit den Titelgebenden Köpfen seien auch die Spargel- und Kürbisköpfe gemeint, erläutert der Autor. "Die Tröpfe hingegen waren jene, für die es nicht so gut lief."

Manchmal gehörte auch die ganze Stadt dazu, wie bei der Schlacht in Beelitz vor gut 200 Jahren, als ein Kosakenheer die französischen Truppen Napoleons vertrieb. "Nur kurz für Beelitz war das Glück: | Die Russen kamen dann zurück | und haben ihren Sieg gefeiert | gesoffen, gefressen und gereihert | und vieles noch kaputt gemacht, | fast mehr noch als wie bei der Schlacht." "Ich habe versucht, den geschichtlichen Hintergrund zu wahren - aber es sollte auch humorvoll sein", erklärt Lutz Backes, der vom Stadthistoriker Manfred Fließ umfassend beraten wurde. Der findet die unkonventionelle Geschichtsschreibung sehr gelungen: "In der Versform geschrieben, mit den witzigen Pointen, ergibt sich ein neuer Blick auf die Beelitzer Stadtgeschichte."

Insgesamt besteht das Buch aus 3544 Zeilen. Gedruckt wurde es in einer ersten Auflage von 1000 Exemplaren, diese werden für je 15 Euro in der Beelitzer Tourist-Info, Poststraße 15, und im Buchladen Loth nebenan erhältlich sein. Lutz Backes wird am 28. Mai um 19 Uhr sein Werk im
Tiedemannsaal vorstellen und daraus vorlesen. "Mit dem Buch hat Herr Backes einmal mehr gezeigt, wie sehr er unserer Stadt verbunden ist", freut sich Bürgermeister Bernhard Knuth und verweist auf frühere Projekte wie dem Bau des Denkmals im Lustgarten für Spargelpionier Carl Friedrich Wilhelm Herrmann oder die Karikaturen, die "Bubec" von vielen Beelitzer Köpfen gezeichnet hat. "Dass ein so talentierter und berühmter Künstler unser Wirken und Werden aufs Korn nimmt, ist ein Glücksfall und eine Auszeichnung für die gesamte Stadt. Das Buch möchte man gar nicht mehr aus der Hand legen, sondern immer weiter lesen und lachen. Es zeigt nicht nur uns, sondern jedem, dass in Beelitz schon immer Platz für Humor war - sogar zu Zeiten, in denen es wenig zu lachen gab."

Text © Thomas Lähns
 
 
  
  
 
   
  

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